Best Practices aus der Elektrotechnik: So gewinnen Marktführer Talente (Trotz Konzern-Konkurrenz)

08. Januar 2026 | Faisal Darwish
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Der Gegner wirkt oft übermächtig. Wer als mittelständischer Elektrobetrieb auf dem Land oder am Stadtrand nach Fachkräften sucht, kämpft oft gegen Windmühlen: Die lokale Industrie lockt mit 35-Stunden-Woche, IG-Metall-Tarifen und klimatisierten Arbeitsplätzen. Viele Inhaber werfen resigniert das Handtuch: „Da können wir gehaltstechnisch nicht mithalten.“
Das ist korrekt. Wenn Sie versuchen, den Konzern allein über das Grundgehalt zu schlagen, werden Sie verlieren. Aber die gute Nachricht ist: Das müssen Sie gar nicht. Es gibt zahlreiche Elektrobetriebe in Deutschland – vom 10-Mann-Betrieb bis zum 150-Mann-Unternehmen –, die aktuell wachsen. Sie stellen Elektroniker für Energie‒ und Gebäudetechnik ein, die vorher in der Industrie waren.
Warum wechseln diese Leute zurück ins Handwerk? Weil diese „Hidden Champions“ verstanden haben, ihre Vorteile als Nischen-Player auszuspielen. In diesem Artikel analysieren wir drei konkrete Strategien erfolgreicher Betriebe, die wir in der Praxis beobachtet haben und die Sie kopieren können.

Praxis-Beispiel 1: Die „Sinn-Strategie“ (Fokus Erneuerbare Energien)

Ein Elektrobetrieb aus Bayern (40 Mitarbeiter) hatte massive Probleme, Nachwuchs für den klassischen Kundendienst zu finden. Die Analyse: Junge Gesellen hatten schlicht keine Lust auf „Steckdosen reparieren bei Oma Erna“. Das wirkte auf sie altbacken und wenig zukunftssicher.
Die Lösung: Der Betrieb positionierte sich radikal neu. In der Recruiting-Kampagne auf Social Media wurde das Wort „Elektriker“ fast verbannt. Stattdessen suchte man „Klimaschützer“ und „Energiewende-Macher“. Es wurde ausschließlich der Bereich Photovoltaik, Speicher und Wallboxen beworben.
  • Die Botschaft: „Bei uns schraubst du nicht an alten Sicherungen. Du baust die Energieversorgung der Zukunft.“
Das Ergebnis: Der Betrieb zog gezielt junge, technikaffine Talente der Generation Z an, die einen Sinn in ihrer Arbeit suchen. Die Bewerberzahlen stiegen um 300 %, weil das Image von „staubig“ zu „High-Tech“ gedreht wurde.
👉 Learning: Nutzen Sie die Attraktivität neuer Technologien (Smart Home, PV), um das Image des gesamten Betriebs aufzuwerten.

Praxis-Beispiel 2: Die „Anti-Konzern-Strategie“ (Fokus Freiheit)

Ein Unternehmen für Industriemontage (80 Mitarbeiter) konkurrierte direkt mit einem großen Automobilzulieferer im Nachbarort. Das Problem: Der Zulieferer zahlte besser und hatte eine Kantine. Die Analyse: In Gesprächen mit ehemaligen Konzern-Mitarbeitern kam heraus, was dort nervte: Starre Hierarchien, man ist nur eine Nummer, monotone Aufgaben (jeden Tag derselbe Schaltschrank) und Schichtdienst.
Die Lösung: Der Mittelständler startete eine Kampagne unter dem Motto: „Keine Lust mehr auf Fließband?“ Man bewarb offensiv die Nachteile des Konzerns als eigene Vorteile:
  • „Bei uns kennt der Chef deinen Namen, nicht nur deine Personalnummer.“
  • „Jeden Tag ein anderes Projekt statt Taktarbeit.“
  • „Keine Schichtarbeit – Wochenende ist Wochenende.“
Das Ergebnis: Man gewann erfahrene Fachkräfte zurück, die das „Goldene Hamsterrad“ des Konzerns satt hatten. Sie verzichteten teilweise auf Gehalt, gewannen dafür aber massive Lebensqualität und Wertschätzung durch eine bessere Führungskultur.
👉 Learning: Positionieren Sie sich als der „Macher-Betrieb“, in dem man am Abend noch sieht, was man geschafft hat.

Praxis-Beispiel 3: Die „Spezialisten-Strategie“ (Fokus Karriere)

Ein Betrieb für Gebäudeautomation (KNX/Loxone) suchte händeringend Obermonteure und Projektleiter. Das Problem: Gute Leute bewarben sich nicht, weil sie Angst hatten, in einem kleinen Betrieb fachlich stehenzubleiben („Karriere-Sackgasse“).
Die Lösung: Der Inhaber erstellte eine transparente „Karriere-Treppe“. In der Stellenanzeige wurde nicht nur der Job beworben, sondern der Entwicklungsplan:
  1. Einstieg als Elektroniker.
  2. Bezahlte Weiterbildung zum KNX-Programmierer (Zertifikat).
  3. Aufstieg zum Projektleiter mit eigenem Firmenwagen (zur Privatnutzung).
Das zog ehrgeizige Leute an, die eigentlich vorhatten, den Meister zu machen oder zu studieren, aber lieber praktisch arbeiten wollten.
Das Ergebnis: Der Betrieb gilt heute in der Region als „Kaderschmiede“ für Automation. Er zieht Talente an, weil er Bildung als Währung einsetzt.
👉 Learning: Gute Leute wollen vorankommen. Wenn Sie ihnen den Weg zeigen, müssen sie nicht kündigen, um aufzusteigen.

Was alle Gewinner gemeinsam haben

Wenn wir diese Erfolgsgeschichten analysieren, fallen drei Muster auf, die diese Betriebe von den „Jammerern“ unterscheiden. Sie können diese Punkte als Checkliste für Ihren Betrieb nutzen:

1. Sie nutzen Social Recruiting

Keiner dieser Betriebe hat auf das Arbeitsamt gewartet. Alle haben aktiv Social‒Media‒Anzeigen geschaltet, um genau die Leute zu erreichen, die bei der Konkurrenz unzufrieden waren. Sie haben sich sichtbar gemacht.

2. Sie zeigen Gesicht (Employer Branding)

Auf den Fotos waren keine gekauften Stock-Models zu sehen, sondern die echten Teams. Dreckige Hosen, echtes Lachen, echte Baustellen. Das schafft Vertrauen. Wer sich authentisch zeigt, wirkt sympathisch. Das ist der Kern von gutem Employer Branding im Handwerk.

3. Sie bieten echte Benefits

Es gab keinen Obstkorb als Hauptargument. Stattdessen gab es Dinge, die den Arbeitsalltag wirklich verbessern:
  • Hochwertiges Werkzeug (Hilti/Festool) als Standard.
  • Digitale Prozesse (iPads statt Zettelwirtschaft).
  • Flexible Arbeitszeiten (z.B. 4-Tage-Woche Modelle).

Fazit: Kopieren erlaubt!

Sie müssen das Rad nicht neu erfinden. Die Rezepte für erfolgreiches Recruiting in der Elektrotechnik liegen auf dem Tisch. Die Marktführer kochen auch nur mit Wasser – aber sie servieren es besser.
Hören Sie auf, auf die „mächtige Industrie“ zu schimpfen. Nutzen Sie Ihre Vorteile als Mittelständler: Schnelligkeit, Menschlichkeit und abwechslungsreiche Technik. Es gibt da draußen tausende Elektroniker, die im Konzern unglücklich sind. Holen Sie sie ab.

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