Gen Z richtig ansprechen: Was Jugendliche wirklich motiviert

31. Dezember 2025 | Faisal Darwish
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„Die jungen Leute wollen heute nichts mehr arbeiten. Die wollen nur Freizeit und 3000 Euro Einstiegsgehalt.“ Wenn Sie diesen Satz auf der letzten Innungsversammlung gehört (oder selbst gesagt) haben, sind Sie nicht allein. Der Graben zwischen der „Generation Boomer“ (den Chefs) und der „Generation Z“ (den Nachwuchskräften) scheint im Handwerk so tief wie nie zuvor.
Aber Hand aufs Herz: Hilft es uns, über die Jugend zu schimpfen? Nein. Der demografische Wandel ist eine mathematische Tatsache. Es gibt immer weniger junge Menschen. Diejenigen, die da sind (geboren zwischen 1997 und 2012), sitzen am längeren Hebel.
Wer heute Ausbildungsplätze oder Stellen für Jung-Gesellen besetzen will, muss aufhören, die Gen Z (Generation Z) umerziehen zu wollen. Er muss sie verstehen. Denn die gute Nachricht ist: Diese Generation ist nicht faul. Sie ist nur radikal anders. In diesem Artikel entschlüsseln wir den Code der Jugend und zeigen, wie Sie diese motivierten Digital Natives für Ihren Betrieb gewinnen.

Der Mythos der Faulheit: „Work-Life-Separation“

Das größte Missverständnis zuerst: Die Gen Z ist bereit, hart zu arbeiten. Aber sie definiert Arbeit anders als ihr Vater oder Großvater. Für die Älteren war Arbeit oft Identität („Ich lebe, um zu arbeiten“). Für die Gen Z ist Arbeit ein Mittel zum Zweck („Ich arbeite, um zu leben“).
Das bedeutet nicht, dass sie auf der Baustelle bummeln. Im Gegenteil: Wenn sie einen Sinn sehen, sind sie extrem leistungsfähig. Aber sie bestehen auf eine strikte Trennung.
  • Feierabend ist heilig: Die Erreichbarkeit nach 17 Uhr wird als Übergriff empfunden.
  • Wochenende gehört mir: Samstagsarbeit ist ein absoluter „Dealbreaker“, wenn sie nicht fürstlich entlohnt oder ausgeglichen wird.
Wer das respektiert und moderne Arbeitszeitmodelle wie die 4‒Tage‒Woche anbietet, wird plötzlich von Bewerbungen überrannt.

Sinn ist die neue Währung (Purpose)

„Weil ich das sage!“ – Dieser Führungsstil funktioniert nicht mehr. Die Gen Z hinterfragt alles. Das wirkt auf Chefs oft respektlos, ist aber eigentlich ein Zeichen von Intelligenz.
Sie wollen wissen: „Warum machen wir das so?“ oder „Wieso schleppen wir das Material, wenn es einen Aufzug gibt?“ Im Handwerk haben wir hier einen riesigen Vorteil gegenüber Bürojobs: Wir schaffen sichtbare Werte.
  • Der Elektroniker installiert die PV-Anlage für die Energiewende.
  • Der Gerüstbauer ermöglicht die Sanierung eines Krankenhauses.
Kommunizieren Sie diesen Sinn (Purpose). Verkaufen Sie keine „Rohre und Schellen“, sondern verkaufen Sie „Zukunft und Sicherheit“. Das motiviert Jugendliche mehr als ein Firmenwagen.

Feedback: Die „Like“-Kultur nutzen

Diese Generation ist mit Social Media aufgewachsen. Sie sind an sofortiges Feedback gewöhnt. Ein Foto auf Instagram bekommt sofort Likes. Im Betrieb passiert oft das Gegenteil: „Nicht geschimpft ist gelobt genug.“
Das funktioniert bei der Gen Z nicht. Sie brauchen regelmäßiges, kurzes Feedback.
  • „Gut gemachte Naht heute.“
  • „Die Baustelle hast du sauber hinterlassen, top.“
Das ist kein „Verhätscheln“, sondern moderne Führung. Wer vom Chef zum Coach wird, baut eine emotionale Bindung auf, die keine Gehaltserhöhung der Konkurrenz ersetzen kann.

Digital Natives hassen Papier

Stellen Sie sich vor, ein 19-Jähriger, der sein ganzes Leben per App organisiert (Banking, Dating, Essen), kommt in Ihren Betrieb. Dort muss er Stundenzettel mit Durchschlagpapier ausfüllen und Urlaubsanträge in ein Fach legen. Er hält Ihren Betrieb sofort für „Steinzeit“. Das wirkt unprofessionell und abschreckend.
Wenn Sie junge Talente gewinnen wollen, muss Ihr „Tech-Stack“ stimmen.
  • Tablets auf der Baustelle.
  • Kommunikation über WhatsApp-Gruppen oder Mitarbeiter-Apps.
  • Digitale Zeiterfassung.
Das signalisiert: „Wir sind ein Unternehmen der Zukunft.“

Authentizität statt Werbe-Sprech

Die Gen Z hat einen eingebauten „Bullshit-Detektor“. Sie erkennen gestellte Werbevideos sofort. Wenn Sie auf Ihrer Karriereseite schreiben: „Wir sind ein dynamisches Team mit flachen Hierarchien“, aber im Video sieht man nur Männer ü50 in Anzügen, sind Sie raus.
Seien Sie ehrlich und direkt.
  • Ist der Ton auf der Baustelle rau? Sagen Sie es.
  • Ist die Arbeit dreckig? Zeigen Sie es.
Diese Generation schätzt Transparenz („Realness“). Ein Video auf TikTok, in dem ein Azubi einen Fehler macht und alle darüber lachen, bringt Ihnen mehr Sympathien als ein teurer Imagefilm. Nutzen Sie dafür echte Mitarbeiterstimmen, keine Schauspieler.

Sicherheit ist wieder "in"

Hier schließt sich der Kreis zu den Großeltern. Trotz aller Forderungen nach Freiheit ist die Gen Z in unsicheren Zeiten (Klima, Kriege, Inflation) aufgewachsen. Sie sehnen sich nach Sicherheit.
Ein unbefristeter Arbeitsvertrag, eine betriebliche Altersvorsorge und eine garantierte Übernahme nach der Ausbildung sind extrem starke Argumente. Verbinden Sie die „Coolness“ von Social Media mit der „Solidität“ des Handwerks. Zeigen Sie, dass man im Handwerk gutes Geld verdienen kann und der Job krisensicher ist.

Augenhöhe schlägt Hierarchie

Der Satz „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ ist der schnellste Weg, um Azubis zur Kündigung zu treiben. Er impliziert Unterwerfung. Die Gen Z erwartet Augenhöhe. Sie wollen als vollwertige Menschen behandelt werden, auch wenn sie fachlich noch am Anfang stehen.
Involvieren Sie sie. Fragen Sie den Azubi: „Welches Akku-Werkzeug findest du besser? Check das mal auf YouTube.“ Wenn sie merken, dass ihre Meinung zählt, entwickeln sie eine Loyalität, die man mit Geld nicht kaufen kann. Und genau das stärkt Ihre Teamkultur nachhaltig.

Fazit: Adapt or die (Anpassen oder untergehen)

Sie müssen sich nicht anbiedern oder Jugendsprache sprechen („Cringe“), wenn das nicht zu Ihnen passt. Aber Sie müssen akzeptieren, dass die Spielregeln sich geändert haben.
Die Betriebe, die heute über Fachkräftemangel jammern, sind oft die, die an Methoden von 1990 festhalten. Die Betriebe, die der Gen Z zuhören, haben volle Auftragsbücher und junge Teams.
Die Jugend ist bereit zu arbeiten. Aber nur für Chefs, die im Jahr 2026 angekommen sind.

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