Azubis finden 2026: Warum die Jugend nicht „faul“ ist, sondern nur anders erobert werden will

21. Dezember 2025 | Faisal Darwish
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„Die jungen Leute wollen heute alle nichts mehr arbeiten.“ Es ist der Satz, der auf Innungsversammlungen und Stammtischen am häufigsten fällt. Doch er ist gefährlich. Denn während viele Betriebe über unbesetzte Lehrstellen klagen, sind andere Ausbildungsplätze im Handwerk schon Monate im Voraus vergeben. Was machen diese Betriebe anders?
Der demografische Wandel schlägt im Ausbildungsmarkt voll durch. Es gibt schlicht weniger Schulabgänger als vor 20 Jahren. Das bedeutet: Der Azubi muss sich nicht mehr bei Ihnen bewerben – Sie bewerben sich beim Azubi.
Dieser Machtwechsel schmeckt vielen Traditionsunternehmen nicht. Doch wer jetzt den Kopf in den Sand steckt, hat in 5 Jahren keine Fachkräfte mehr. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie die Generation Z (Gen Z) verstehen und Ihre Ausbildungsplätze auch in schwierigen Zeiten besetzen.

Verstehen Sie die Zielgruppe (Schluss mit Vorurteilen)

Bevor wir über Marketing sprechen, müssen wir mit dem Mythos der „faulen Generation“ aufräumen. Die jungen Leute sind nicht faul. Sie sind nur sinnorientiert und digital.
Ein 16-Jähriger vergleicht Ihren Betrieb nicht mit dem Konkurrenten im Nachbardorf, sondern mit dem Lebensgefühl, das er auf TikTok sieht. Er fragt sich: „Macht mir das Spaß? Passt das Team? Oder werde ich nur zum Halle fegen eingestellt?“
Wenn Sie verstehen wollen, was Jugendliche wirklich motiviert, müssen Sie weg vom „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“-Denken hin zu einer Kommunikation auf Augenhöhe. Wer heute noch Autorität allein durch das Alter beansprucht, verliert den Zugang zum Nachwuchs sofort.

Wo die Jugend wirklich sucht

Hier machen die meisten Betriebe den größten Fehler. Sie schalten Anzeigen in lokalen Wochenblättern oder präsentieren sich auf staubigen Ausbildungsmessen mit Flyern, die direkt im Müll landen.
Die Realität ist brutal einfach: Wenn Sie nicht auf dem Smartphone des Schülers stattfinden, existieren Sie für ihn nicht.
  • TikTok & Instagram Reels: Kurze Videos, die den Arbeitsalltag zeigen (gerne auch lustig), erreichen mehr Schüler als jede Zeitungsannonce.
  • WhatsApp: Bieten Sie an, dass man Fragen zur Ausbildung einfach per WhatsApp stellen kann. Das senkt die Hemmschwelle massiv.
Eine teure Karriereseite ist oft gar nicht nötig – ein gut gepflegter Social-Media-Kanal ist für Azubis die wichtigere Visitenkarte. Hier entscheidet sich in Sekunden, ob Ihr Betrieb als "cringe" (peinlich) oder "cool" wahrgenommen wird.

Die Hürde muss weg: Bewerbung ohne Zeugnis?

Stellen Sie sich vor, ein Schüler sieht Ihr Video auf TikTok. Er findet den Job cool. Er klickt auf den Link. Und dann?
  • Szenario A (Veraltet): „Bitte sende deine vollständigen Bewerbungsunterlagen inkl. der letzten zwei Zeugnisse per E-Mail an info@...“ -> Abbruch. Er hat kein PDF-Zeugnis auf dem Handy.
  • Szenario B (Modern): Ein 60-Sekunden-Quiz. „Welchen Schulabschluss machst du?“, „Hast du Lust auf körperliche Arbeit?“, „Wann bist du fertig?“. -> Erfolg.
Denken Sie daran: Das Zeugnis können Sie immer noch im Vorstellungsgespräch sehen. Im ersten Schritt geht es nur um den Kontakt.

„Was habe ich davon?“ – Benefits für Azubis

Geld ist wichtig, aber für Azubis oft nicht der alleinige Treiber (da sie oft noch zu Hause wohnen). Viel wichtiger sind Statussymbole und Freiheit. Überlegen Sie genau, welche Benefits im Handwerk für einen 16-Jährigen attraktiv sind – der Obstkorb ist es jedenfalls nicht:
  • Mobilität: Ein Zuschuss zum Führerschein (Klasse B) ist der absolute Klassiker und zieht immer noch extrem gut. Oder ein E-Scooter für den Weg zur Arbeit.
  • Technik: Ein eigenes Tablet oder ein neustes iPhone (auch privat nutzbar) ist für Digital Natives extrem attraktiv.
  • Übernahmegarantie: Sicherheit ist dieser Generation wichtiger, als viele glauben.

Der „Eltern-Faktor“

Unterschätzen Sie nicht Mama und Papa. Gerade im Handwerk sind die Eltern oft skeptisch („Lern lieber was Vernünftiges im Büro“). Ihr Marketing muss also zweigleisig fahren:
  1. Coolness für die Kids (auf TikTok/Insta).
  2. Sicherheit & Perspektive für die Eltern (auf der Website/Facebook).
Zeigen Sie Karrierewege auf. Erklären Sie, wie man vom Azubi zur Führungskraft aufsteigen kann und dass ein Meistertitel heute so viel wert ist wie ein Bachelor-Studium – nur oft mit besserem Gehalt und sicherem Job.

Onboarding: Den "Praxis-Schock" vermeiden

Viele Azubis brechen im ersten Lehrjahr ab. Warum? Weil die Realität auf der Baustelle (kalt, nass, rauer Ton) sie unvorbereitet trifft. Um das zu verhindern, helfen Praktika vor der Ausbildung. Lassen Sie die Schüler 2-3 Tage mitlaufen. Aber nicht beim Fegen, sondern lassen Sie sie etwas machen (ein Rohr biegen, eine Gerüstschelle festziehen). Wer stolz auf sein Werk ist, kommt wieder.
Ein gutes Arbeitsklima und eine starke Teamkultur sind entscheidend, damit der junge Mensch sich nicht wie der „Sklave vom Dienst“ fühlt, sondern als wertvoller Teil der Mannschaft.

Fazit: Azubi-Recruiting ist Zukunftssicherung

Wer heute keine Azubis findet, hat nicht nur Pech, sondern oft einfach seine Strategie seit 2010 nicht angepasst. Die Jugendlichen sind da. Sie sind motiviert. Aber sie wollen modern angesprochen werden.
Nutzen Sie Social Media, um Ihre Türen digital zu öffnen. Zeigen Sie, dass Handwerk „bockt“. Dann klappt es auch mit dem Nachwuchs.

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